Aristides E. Konstantinids - Die ökomenische Dimension der griechischen Sprache
Die Ökomenische Dimension der griechischen Sprache

 

 
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Meilensteine auf dem Weg zur Universalität

Die Frage ist, wie dieser enorme Einfluss zustande kam. Historisch gesehen, gab es bedeutsame Meilensteine in der Sprachentwicklung. Vor allem durch das Lateinische. Dazu kam es, als Griechen zwischen 1800 v.Chr. bis 500 v.Chr. nach Süditalien übersiedelten und die Römer 146 v.Chr. Hellas besetzten. Der Einfluss der griechischen Kultur und Sprache auf die Römer in diesem Stadium ist hinreichend bekannt.

Will (1885-1981) und Ariel Durant (1898-1981) schätzen in der „Kulturgeschichte der Menschheit“, dass während der Herrschaft des Augustus, ca. 10.000 Wörter der lateinischen Sprache einverleibt wurden. Eine Unterwanderung des Englischen durch das Lateinische begann, als die Römer 55 n.Chr. England einnahmen und bis 410 n.Chr. besetzt hielten. In dieser Periode der Verrömerung der Kelten etablierte sich langsam auch der griechische Wortschatz im anglosächsischen Sprachraum durch Begriffe wie Anemie, Aorte, kakoethes, emphasis, ainigma etc.

Des weiteren änderte sich vieles durch die Lehre des Christentums. 597 verließ der Heilige Augustinos Rom und begab sich nach England um dort das Volk zu christianisieren. Da das Evangelium aber auf Griechisch verfasst war, wurden im Englischen unbekannte Wörter einfach adaptiert, darunter martyras, baptisma, leitourgia, litaneia etc.

Als drittes Stadium der Sprachvernetzung gilt die Eroberung und Besetzung Englands durch die Normannen zwischen 1066 und 1363. Wörter, die aus dem Lateinischen in das Französische übergingen, flossen jetzt vom Französischen in das Englische ein.
Das vierte Stadium begann nach dem Fall Konstantinopels im Jahre 1453. Griechische Gelehrte zerstreuten sich von Italien ausgehend in ganz Europa und gelangten dabei sogar bis nach England. Sie lehrten die griechischen Schriften und führten damit auch ihre Sprache ein, da keine äquivalenten Begriffe im Englischen existierten. So nahm ein neuer Zyklus des Wortaustausches seinen Anfang und spitzte sich mit der Entwicklung der Wissenschaften im 18. und 19 Jahrhundert zu.

Dabei darf nicht nur die rein quantitative Wortübernahme berücksichtigt werden, denn von Belang ist vor allem die Bedeutungsvielfalt und damit Qualität des Griechischen in der englischen Sprache. Die grundlegende Begrifflichkeit des Denkens, der Ausdrucksweise und der Rhetorik im Englischen wie auch den anderen europäischen Sprachen lässt sich eindeutig auf Griechenland zurückführen. Beispielhaft sind Wörter wie Analyse, Synthese, Problem, Methode, Theorie, Musik, Orchestra, Melodie, Rhythmus, Drama, Comedie und Tragödie.

Wie bereits zuvor erwähnt, sind die grundlegenden Begriffe der wissenschaftlichen Terminologie ebenfalls griechischen Ursprungs. Darüber hinaus spiegelt sich der Einfluss sogar in der Namensgebung wider. Etwa 190 männliche und weibliche Namen sind dafür beispielhaft. So etwa Alexandros, Andreas, Christophoros, Irene oder Margarita. Diese Tendenz nahm in den letzten Jahrzehnten hauptsächlich in den USA zu. Grund hierfür ist die Einwanderung von Südamerikanern, die traditionell sehr viele griechische Namen tragen wie z.B. Sofokles, Aristeidis, Sokrates etc.

Abgesehen von diesem konkreten Spracheinfluss, sind in Übersetzung auch 62 griechische Sprichworte und Zitate bekannt, die unsere Ausdrucksweise bereichern und verschönern, und das sinngemäß mit demselben Inhalt wie vor 3000 Jahren. Zusätzlich wurden mehr als 300 Wörter aus Geschichte und Mythologie aufgenommen, die für die Charakteristika von Ämtern und Funktionen stilprägend geworden sind. Das Wort Mentor heißt Berater und Leiter und führt auf den Freund des Odysseus zurück, dem er bei der Abreise nach Troja die Ausbildung seines Sohnes anvertraut hatte. Das Wort Nestor lässt sich mit weise und vernünftig übersetzen und stammt von dem Greis, der sich in Troja für seine Vernunft ausgezeichnet hat.

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Griechisch, eine allgegenwärtige Sprache 
Der Einfluss des Griechischen: Ein weit unterschätzter Faktor

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Die Rolle der Etymologie
Warum ausgerechnet Griechisch?